Warum ich nicht mehr über Musikergesundheit spreche

Musikergesundheit reicht nicht aus

Nicht, weil das Thema unwichtig ist.

Sondern weil ich gemerkt habe,dass dieser Begriff für das, worum es eigentlich geht, zu klein ist.

Am Anfang war das alles noch nicht so klar sortiert.

Ich habe mich viel mit Themen rund um den Körper beschäftigt – Atmung, Spannung, Wohlbefinden, Funktion.

Und im Kontext von Musik landet man damit ziemlich schnell bei einem Begriff:

Musikergesundheit.

Das klang erstmal stimmig.

Es beschreibt ja irgendwie, worum es geht – gesund bleiben, gut spielen können, Beschwerden vermeiden. Aber je tiefer ich in die Zusammenhänge eingetaucht bin, desto mehr habe ich gemerkt:

Dieser Begriff ist zu klein.

Das Problem ist nicht die Gesundheit

„Musikergesundheit“ wirkt auf mich oft so, als würde man versuchen, ein System in Schach zu halten.

Man versucht, Beschwerden zu kontrollieren.

Spannung zu regulieren.

Irgendwie besser zu funktionieren.

Ein bisschen Dehnung hier.

Eine Übung dort.

Vielleicht noch ein Tipp zur Atmung.

Und oft geht es dabei gar nicht wirklich um Gesundheit. Sondern darum, möglichst schnell wieder zu funktionieren. Als müsste der Körper einfach wieder „mitmachen“.

Gesundheit wird zum Mittel zum Zweck. Aber genau das greift zu kurz. Denn das, was hier passiert, ist nicht in erster Linie ein Gesundheitsproblem.

Es ist ein Problem von Organisation.

Dein Körper ist kein Baukasten

Der Körper funktioniert nicht in Einzelteilen. Du kannst nicht „nur“ die Atmung verändern, ohne dass sich etwas im Brustkorb bewegt. Du kannst nicht an Haltung arbeiten, ohne dass das Nervensystem darauf reagiert.

Alles hängt zusammen.

Das wird besonders deutlich bei etwas scheinbar Einfachem wie Gehen:

Du kannst nicht nur dein rechtes Bein „optimieren“. In dem Moment, in dem es sich bewegt, muss das linke reagieren. Dein Becken reagiert. Dein Brustkorb reagiert. Deine Atmung verändert sich. Der Körper ist kein Baukasten.

Er ist ein System.

Warum einfache Erklärungen nicht ausreichen

Was mich irgendwann zunehmend irritiert hat:

Wie selbstverständlich wir versuchen, etwas so Komplexes wie den menschlichen Körper mit sehr einfachen Erklärungen zu greifen.

Ein paar Übungen.

Ein paar Hinweise zur Atmung.

Ein paar Korrekturen.

Für mich ist das meist zu oberflächlich fühlt sich oft wie ein Schnellschuss an.

Nicht, weil diese Ansätze grundsätzlich falsch sind – sondern weil sie zu kurz greifen. Und weil sie oft für sich stehen bleiben. Innerhalb ihrer eigenen Disziplin.

Selbst der Körper wird dabei häufig nur in Teilen betrachtet – als Bewegung, als Haltung, als Atmung. Aber ein System funktioniert nicht in Teilen.

Es funktioniert nur im Zusammenspiel.

Und selbst das ist oft nur das, was wir überhaupt greifen können.

Rhythmus statt Kontrolle

Der Körper funktioniert nicht statisch. Er arbeitet in Zyklen:

  • rechts / links

  • ein / aus

  • Spannung / Entspannung

Wenn du gehst, bist du nie gleichzeitig rechts und links.

Du wechselst. Das bringt dem ganzen System Rhythmus. Fast wie ein Morse Code.

Genau so funktioniert auch deine Atmung. Und genau so entsteht Stabilität. Nicht durch Festhalten. Sondern durch einen funktionierenden Wechsel.

Viele versuchen, Stabilität zu erreichen, indem sie alles kontrollieren. Aber ein System wird nicht stabil,weil es stillsteht – sondern weil es gut wechseln kann.

„Der gesunde Ton“ ist kein Konzept

Der Name kann das vermuten lassen. Aber eigentlich geht es nicht um ein weiteres Konzept, keine neue Methode und auch nicht um die nächste Erklärung.

Es geht darum, den Blick zu verändern. Weg von einzelnen Lösungen. Hin zu Zusammenhängen. Weg von Kontrolle. Hin zu Organisation.

Worum es hier wirklich geht

Nicht um Tipps. Nicht um die nächste Technik. Nicht um schnelle Lösungen.

Sondern darum zu verstehen, wie dein System überhaupt funktioniert.

Damit du nicht ständig versuchst, es zu kontrollieren – sondern lernst, es zu organisieren.

Und vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, mehr zu wissen oder besser zu werden.

Sondern darum, zu erkennen, dass das, was wir bisher betrachtet haben, nur ein sehr kleiner Ausschnitt ist und dass sich etwas verändert, sobald wir anfangen, das Ganze zu sehen. Was auch immer „das Ganze“ sein mag (da zieht jeder seine eigene Grenze)

Diesen Bereich finde ich sehr spannend und hier beginnt für mich „der gesunde Ton“.

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